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Drehbericht Malediven

Drehbericht Malediven

„Ruhe bitte – und Action!“ Nachdem die tiefe Stimme von Regisseur Otto Retzer über dem Filmset verhallt ist, watscheln vier Taucher in voller Montur mit einer übergroßen Torte aus dem Meer an den Strand, wo sie von zwanzig Statisten jubelnd empfangen werden. Wir befinden uns am Set des Quotenhits „Das Traumhotel“, genauer gesagt auf der Malediven-Insel Manafaru im „Waldorf Astoria Beach House“ Resort. Es ist Halbzeit und der allerwichtigste Tag der sechswöchigen Lisa Film-Produktion.

Heute steht das große Happy End am Drehplan. Deshalb hat Produzent David Spiehs nächtelang nicht geschlafen und tagelang den Wettergott angefleht – der um diese Jahreszeit sehr wahrscheinliche Regen hätte den Dreh auch ins Wasser fallen lassen können. Dann hätte er 25 Statisten, ein Dutzend indische Tänzerinnen und eine Band, die extra aus der Hauptstadt Male eingeflogen wurde, wieder nach Hause schicken müssen.

Aber im Gegensatz zu den vergangenen Tagen spielte das Wetter heut mit. Blitzblauer Himmel, Palmen die sich sanft und kitschig in der warmen Brise wiegen, türkisfarbenes Meer und ungefähr 80 Leute, die das überhaupt nicht interessiert, weil sie höchst angespannt auf die nächste Einstellung warten.

Mittendrin sind wir, neben uns Otto Retzers Frau Shirley, die wenige Tage zuvor angereist ist. Wenn wir schon da sind, könnten wir schließlich auch gleich mitmachen, wurde uns beim gemeinsamen Dinner am Vorabend erklärt. Also stehen wir seit gefühlten zehn Stunden in der prallen Sonne am schönsten Strand der Welt und sorgen für die richtige Hintergrundstimmung. Wir applaudieren heftig, aber ohne Lärm zu machen, weil sonst der Tontechniker einen Hörsturz bekommt, jubeln den Tauchern zu, feuern den kleinen indischen Jungen an, der aus der Torte steigt, um Hauptdarstellerin Anna Hausburg zum Geburtstag zu gratulieren, und werfen Rosenblätter in die Luft.

Doch wer glaubt, so ein Dreh mitten im Paradies sei ein Spaziergang, der irrt. Schon allein das Klima erschwert die Arbeit ungemein. Auf den Malediven ist es drückend heiß und schwül – ein Knochenjob für alle Beteiligten. Täglich müssen Licht- und Tontechniker ihr tonnenschweres Equipment auf-, um- und abbauen. Die Schauspieler dürfen vor der Kamera nie auch nur den Hauch von Schimmer oder Glanz im Gesicht haben. Die Frisur muss immer perfekt sitzen. Und die Kleidung hat immer frei von verräterischen Flecken zu sein. Bei 30 Grad und 80 Prozent Luftfeuchtigkeit bedeutet das: alle zwei Minuten Make-up auffrischen, Haare frisieren und Kleidung trocken föhnen.

Die Crew ist im Schnitt zehn Stunden auf den Beinen. Nachdem der Großteil der Serie im Freien spielt, sind Sonnenschutzfaktor 30 und ein Moskitospray Pflicht. Das Luxusressort lässt zwar kaum einen Wunsch offen, doch vergessene Toilettenartikel lassen sich hier nicht so einfach nachkaufen. Auf einer Insel, die bloß 800 Meter lang und 350 Meter breit ist, hat schließlich keine Drogerie Platz. So gehört auch innerhalb der Crew reger Tauschhandel zum Alltag. Tampons gegen Marlboros, Chlorseife gegen Zahnseide. Irgendjemand hat immer das dabei, was man gerade braucht.

(Quelle: Lisa Film und Interviewauszüge aus dem „Seitenblicke Magazin')
 
 
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